Hamburger Energienetze: Starkes Gesamtpaket
Stabiles Ergebnis in der dritten Runde nach 14 Stunden Verhandlungen – Warnstreik sei Dank!
Nach erneuten schwierigen Tarifverhandlungen am Dienstag, den 19. Mai 2026, steht ein stabiles Ergebnis für die Beschäftigten der Hamburger Energienetze.
Das Ergebnis im Überblick
Tabelle und Laufzeit
Soziale Komponente für April/Mai/Juni erhalten Beschäftigte in Vergütungsgruppe
- A – F: 800 Euro
- G – K: 400 Euro
- Azubis/Dualstudierende: 300 Euro
- L – M: 150 Euro
01.07.2026 bis 31.08.2027: Erhöhung der Tabellenentgelte um 3,8 Prozent
01.09.2027 bis 31.01.2028: Erhöhung der Tabellenentgelte um 1,5 Prozent
Gesamtlaufzeit: 22 Monate bis zum 31.01.2028
Auszubildende
ab 01.07.2026: 70 Euro mehr Ausbildungsvergütung
ab 01.01.2028: Übernahme des Deutschlandtickets
„Ich freue mich besonders, dass es gelungen ist, substanzielle Verbesserungen für unsere Kolleginnen und Kollegen im Bereich der Schicht- und Rufbereitschaft zu erreichen. Ihr habt‘s verdient!“
Thies Hansen, Mitglied der Verhandlungskommission und stellvertretender BR-Vorsitzender
Schichtzulagen und Rufbereitschaft
Verbesserung Schichtzulage (§23 MTV) ab 01.01.2028
- von 5,0 auf 8,0 Prozent (vollkon. Wechselschicht)
- von 3,0 auf 5,0 Prozent (nicht vollkon. Wechselschicht)
- von 2,0 auf 3,5 Prozent (Zweischichtsystem)
Pauschale Abgeltung zum 01.10.2026 + 2027 (Betrag jeweils pro Kalenderjahr 2026/27)
- 1.300 Euro
- 900 Euro
- 700 Euro
Verbesserung Rufbereitschaftszulage (§24 MTV) ab 01.01.2028
- von 2,0 auf 3,5 Prozent (Samstag, Sonntag, Feiertag)
- von 1,5 auf 2,0 Prozent (dienstplanmäßig freier Tag)
- von 1,0 auf 1,5 Prozent (Montag bis Freitag)
Pauschale Abgeltung zum 01.10.2026 + 2027 (Betrag jeweils pro Kalenderjahr 2026/27)
- 1.500 Euro
- Tarifliche Öffnung zur Verbesserung der Schicht- und Rufbereitschaftszulagen bei HNE
- Erhöhung Wegegeld I von 0,30 Euro auf 0,60 Euro
- Wahlmöglichkeit zur Auszahlung von 50 Prozent der Mehrarbeitsstunden
- Maßregelungsverbot: Die Teilnahme an Warnstreiks wird wie Arbeitszeit bewertet.
„Es war ein steiniger Weg zu einem hart erkämpften Kompromiss. Großen Dank an alle, die beim Warnstreik Flagge gezeigt und uns den Rücken gestärkt haben!“
Thies Hansen, Mitglied der Verhandlungskommission und stellvertretender BR-Vorsitzender
Das ist ein umfassendes Gesamtpaket mit vielen Verbesserungen, auch jenseits von Tabelle und Laufzeit. Insbesondere die weiterführende Regelung im Bereich Schichtzuschläge und Rufbereitschaft ist ein großer Erfolg.
All das wäre ohne eure Beteiligung am Warnstreik nicht möglich gewesen. Vielen Dank!
Wir haben eine Erklärungsfrist bis zum 18. Juni 2026 vereinbart. Bis dahin wird eure Tarifkommission tagen und über das Ergebnis abstimmen. Wir halten euch auf dem Laufenden.
Rückblick zur Tarifrunde
Zweite Verhandlung: Stillstand bei Prozenten und Laufzeit
Am 21. April 2026 fand bei den Hamburg Verkehrsanlagen die zweite Tarifverhandlung in der laufenden Entgeltrunde statt. Beim Thema Rufbereitschaft und Schichtzulage hat die Arbeitgeberseite anerkannt, dass die Beschäftigten in diesen Bereichen besonders belastet sind. Finanzielle Anreize sollen hier gemeinsam gestaltet werden. Bei der prozentualen Entgelterhöhung und der Laufzeit bleibt die Arbeitgeberseite jedoch bei ihrem bisherigen Angebot.
Rufbereitschaft und Schichtzulage: Arbeitgeber erkennen Belastung an
Ein Schwerpunkt der zweiten Verhandlungsrunde waren die Regelungen zur Rufbereitschaft und zur Schichtzulage. Die Arbeitgeberseite hat deutlich gemacht, dass sie die besondere Belastung in diesen Bereichen sieht und gemeinsam mit ver.di finanzielle Anreize entwickeln möchte.
Eine direkte Anpassung der Regelungen im Manteltarifvertrag sei nach Darstellung der Arbeitgeber aktuell jedoch IT-technisch nicht umsetzbar. Hintergrund seien personelle Herausforderungen. Die Arbeitgeber haben angeboten, tarifvertragliche Anpassungen ab Januar 2028 vorzunehmen und für die Kalenderjahre 2026 und 2027 eine Zwischenlösung zu finden. Abschließend geklärt werden konnte dieses Thema in der zweiten Verhandlung noch nicht.
Kein konkretes Angebot für Azubis und Dualis
Auch die Ausbildungsvergütung war Thema der Verhandlung. Die Arbeitgeberseite hat signalisiert, über ein Angebot nachzudenken, das sowohl Auszubildende als auch dual Studierende einbezieht. Ein konkretes Angebot lag in dieser Runde jedoch nicht vor.
Keine Bewegung bei Entgelt und Laufzeit
Bei der prozentualen Erhöhung und der Laufzeit hatte ver.di fest damit gerechnet, dass die Arbeitgeber ihr Angebot aus der ersten Verhandlung überdenken und nachbessern. Das ist nicht geschehen. Die Arbeitgeber bleiben bei ihrem bisherigen Angebot und sehen sich nach eigener Aussage nicht in der Lage, die Prozente zu erhöhen oder die angebotene Laufzeit zu verkürzen.
Zur Begründung verwiesen sie darauf, dass sich die Welt im Krisenmodus befinde. Deshalb brauche es aus ihrer Sicht auch einen „Krisentarifabschluss“.
180 Kolleginnen und Kollegen zeigen Präsenz
Begleitet wurde die zweite Verhandlung von 180 Kolleginnen und Kollegen – insbesondere aus Bereichen mit Rufbereitschaft. Diese starke Präsenz hat in der Verhandlung Wirkung gezeigt und Bewegung in einzelne Themen gebracht.
„Fehlende Abstimmung und keine gemeinsame Vorbereitung auf Seiten der Arbeitgeber bedeuten eine vertane Chance in der 2. Verhandlungsrunde. Jetzt steigt der Druck auf die dritte Runde, ich zähle auf meine Kolleginnen und Kollegen in den nächsten Wochen!“
Thies Hansen, stellvertretender BR-Vorsitzender und Mitglied der Verhandlungskommission
Nächste Verhandlung am 19. Mai
Die dritte Verhandlungsrunde findet am 19. Mai 2026 bei den Hamburger Energiewerken in Tiefstack statt. Bis dahin gilt: Angebot diskutieren, bewerten, weitere Informationen von ver.di und den Vertrauensleuten beachten – und bei Aktionen Präsenz zeigen. Der Druck auf die nächste Runde steigt.